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Stimme macht glücklich

Es gibt ein hawaiiansches Verb "Akihi", eine Wegbeschreibung hören, loslaufen und die Beschreibung dabei vergessen. Und es gibt Google Maps, eine Wegbeschreibung eingeben, die Umwege minimiert und einen umgehend ans Ziel führt. Beides beschäftigt sich damit, einen Weg zurückzulegen. Wie dies jedoch passiert, ist gänzlich unterschiedlich. Das eine macht den Weg beherrschbar, das Andere lässt die Lücke, wo Auseinandersetzung mit sich und dem Weg passieren darf. Für das Glückserleben der Stimme braucht es einerseits die Klarheit des Weges und andererseits den Mut zur Lücke, das "Akihi". Schauen wir uns dies genauer an.

Einzigartig & Ursprünglich

Jeder Mensch klingt mit seinem genetisch festgelegt akustischen Fingerabdruck einzigartig. Etwas, wofür man nichts tun muss, außer dies im Probieren mit der eigenen Stimme über Kopf, Körper und Herz kennenzulernen. Das "Ursprüngliche" betreffend Stimme braucht einen Blick zurück zum "fast" Anfang. Als Baby im Bauch der Mutter entwickelt das Ungeborene bereits ab der zwanzigsten Schwangerschaftswoche seinen Hörsinn und nimmt die Schwingungen der Mutter auf. Schwingungen sind Emotionen und Kommunikation mit dem Ungeborenen. Damit ist Klang eines der ursprünglichsten Ausdrucksmittel überhaupt.

Mutig sein

Hören wir uns als Erwachsene klingen z.B. auf dem Anrufbeantworter, Podcast oder Sprachaufnahmen begegnen wir uns selbst. Nicht wie Narzist, der sich in sein Spiegelbild im Wasser verliebt, sondern akustisch rein durch den Klang. Sich verlieben in seine Stimme ist dann eher selten, da sich die eigene Stimme anders anhört, als wie man es selbst durch die Wahrnehmung des eigenen Klanges durch Luft- und Knochenleitung gewohnt ist. Unser Gegenüber bzw. das Mikrophon nimmt jedoch hauptsächlich die Schwingung der Luftleitung auf, sodass die Stimme meist heller wirkt. Daher ist es natürlich, dass beim "Fremdhören" der eigenen Stimme Irritation bis Unwohlsein auftritt. Sich an die Eigen- und Fremdwahrnehmung der Stimme zu gewöhnen, ist ein Schlüssel für mehr Glückserleben seiner einzigartigen Stimme, braucht jedoch ein bißchen Praxis im "Akihi", also ein bißchen Mut im Erkunden der eigenen Stimme.

 

Bleiben wir beim Thema Mut und gehen nochmal einen Schritt zurück zu dem Moment, wo wir uns stimmlich veräußern. Machen wir uns mit Klang emotional sichtbar, führt dies zur eigenen Präsenzsteigerung. Einfach weil die Stimme fein auf die eigene Stimmung wie ein Seismograph funktionieren kann. Pur ohne Missverständnis durch Schallwellen. Schallwellen sind Klang. Klang ist geankert an Emotionen. Daher nimmt Mut und sich Trauen, Stimme zu zeigen auch eine wichtige Rolle ein, um sich emotional den Raum, den man klanglich selbst erzeugt, auch anzunehmen und zu füllen. Dabei kann die Stimme als Instrument in der Sprech- und Singstimme gefördert und ausgebildet werden, Emotionen können kennengelernt und durch Persönlichkeitsarbeit in ein bestimmtes Mindset gebracht werden. Würde man jedoch Emotionen und damit den Klang komplett verfügbar machen wollen, nimmt man seiner Stimme die Einzigartigkeit - die freie Schwingung.

Die freie Schwingung

Wie beschrieben kann durch das erlebte Wissen über Körperspannung, Atmung, Intonation, Rhythmus, Kehl- und Rachenraummuskulatur, Stimmbandnutzung unsere Stimme schön geformt werden. Gleichzeitig braucht es jedoch viele sogenannte Softskills wie Konzentration, Lockerheit, Mut, Neugierde, Risikobereitschaft, Kreativität, Geduld oder auch Hingabe, um einen Ton auch wirklich in eine Schwingung zu versetzen, die sich und andere bewegt. Das bezeichnet man als die Indifferenzlage. Befindet sich der Mensch mit seiner Stimme beim Singen oder Sprechen in dieser Indifferenzlage, wo er sich stimmlich frei und wohlfühlt, schwingen seine Töne förmlich in Höchstform auf und klingen offen, drucklos und räumlich. Die Emotionen kommuniziert sich klar und transparent, wodurch das Gegenüber viel besser versteht worum es geht. Denn wie im letzten Blogartikel "Power der nonverbalen Kommunikation" beschrieben, sind wir großartige Leser von Gestik, Mimik, Habitus und Stimmklang. Ist die Stimme also locker und frei, kann das Gesagte auch das Gemeinte werden und einen akustischen Abdruck im Gegenüber hinterlassen

Glückserleben

Wie entsteht nun konkret das Glückserleben mit der eigenen Stimme? Wenn man sich nun mutig seinem Ton hingibt, weiß man nicht, ob es auf Resonanz trifft. Ob man den Klang wirklich gut kreieren kann. Ob das Gegenüber einen emotional versteht. Nicht zu wissen und nur zu probieren kann schon beängstigend sein, aber auch vertrauensstärkend wirken. Denn in der Unverfügbarkeit des Klanges liegt das Erlebnis, zu geben und zuzuhören wie ein Klang reagiert und zu entdecken, was dieser mit einem macht statt was wir mit dem Klang machen. Das ist ein großer Unterschied. Zuhören, sich eventuell sogar im Klang zu verlieren, mutig sein, sich fallen lassen und entdecken und wieder auftauchen und merken, dass man jemand anderes ist als wie vor 3 Minuten. Genau das kann die Stimme mit einem machen und Glücksgefühle und Hormone auslösen wie Endorphine, Serotonin, Dopamin. Zeitgleich Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin abbauen. Das entscheidende ist also auch wie sind die Rahmenbedingungen, wo ein Glückserleben wirklich auch entstehen kann. Nebenbei ist Leistungsdruck mit der Stimme, wie alleine vor einer Klasse singen oder der Anspruch mancher Chöre, das perfekte Brahms Requiem zu performen, nicht unbedingt immer zielführend für ein individuelles Glückserlebnis. 

Fazit

Jeder hat eine schöne Stimme. Eine Stimme, die in den Resonanzräumen vibriert, die auffordert vielfältig zu sein, wie man selbst, die einen motiviert, sich ernst zu nehmen und damit die Präsenz steigert, die einfühlsam auf das Gegenüber eingeht, die jede Emotion zulässt und ausdrücken kann, die einen zum Lachen bringt und die einen durch ausgeglichene Atmung, Stressregulation, gute Körperarbeit gesund bleiben lässt. Du brauchst nur ein wenig Mut zum "Akihi", dann ist Glück näher als du denkst.

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