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Atmung in Corona Zeiten

So wie du atmest, so lebst du!

Ein Satz, der immer Mal wieder im STIMME+ Studio in der Zeit vor Lock- und Shutdowns fiel.

Gehen wir ins Detail damit. Ein- und Ausatmen ist eine ständige Transformation von O2 zu CO2, von Weltannahme zu, was gibst du zurück an die Welt, die mit dir kommuniziert. Atmung ist also ein Seismograph wie ein Mensch durch das Leben geht. Ist etwas Aufregendes im Gange, eine große Reise, die auf dich wartet, der erste Arbeitstag nach dem Urlaub, vielleicht ein neuer Job, eine Nachricht, die dein Leben plötzlich auf 180 Grad dreht oder eben auch gesellschaftliche, einschneidende Ereignisse wie eben die Pandemie, reagierst du instinktiv mit deiner Atmung. 

Die Hochatmung

Vielleicht hälst du die Atmung für einen Moment an wie das "Reh im Scheinwerferlicht". Das wäre ein Moment der Erstarrung nach dem Motto "Ich bin nicht da".

Vielleicht nimmst du eher mehr Luft als gewohnt auf. Mit einem großzügigem Atemzug bringst du dadurch Sauerstoff in deinen Körper und spürst wie sich dein Brustkorb füllt. Das gibt erst einmal ein Gefühl von Sicherheit, da du für "schlechte Zeiten" eben nun genug Luft hast, um die aufregende Situation zu bewältigen. Ein Hauptmerkmal der Hochatmung. Du atmest genauso aktiv ein wie aus. Dabei zirkuliert die Luft hauptsächlich im Brustraum, Adrenalin durchfährt deinen Körper und du fokussierst dich auf die Bewältigung des Problems. Die Hochatmung ist also ein schneller Energielieferant, der dir in der Steinzeit das Leben gerettet hätte, wenn du vor dem Säbelzahntiger weggerannt oder zum Überleben das Mammut erlegt hättest. 

 

Die Tiefatmung

Anders die tiefe Atmung, die neben Brust auch deinen Bauch und hinteren Lendenbereich mit Luft füllt, deinen Hauptatemmuskel das Zwerchfell anregt, deinen Magen und Darm wie auch dein Herz zu massieren. Du merkst vielleicht jetzt schon, tiefe Atmung ist eher dafür bestimmt, dich zur Ruhe kommen zu lassen und berührt Begriffe wie Gelassenheit, Entspannung, Flow. Dabei passiert die Einatmung. Du musst also nichts dafür tun, dass du Luft bekommst. Nochmal: Das geschieht eben passiv! Ausatmung entgegen ist dann beim Reden oder Singen aktiv. Die tiefe Atmung garantiert dir Energie, Spannung und Entspannung gut auszugleichen, souveränes Sprechen, druckloses Singen wie auch klare Gedanken.

 

Veränderung der Atmung in Zeiten der Pandemie

Als wir begannen Masken zu tragen, veränderte sich unsere Atmung grundlegend, da die Ausatmung nicht mehr fließend abgegeben werden konnte. Der Fokus auf digitales Home Office, Schließung von Freizeitaktivitäten transformierte den Umgang mit unserem Körper, sowie die Kommunikation mit anderen. 

Sich jedoch auszudrücken, mit dem ganzen Körper zu sprechen, zu singen, Sport zu betreiben, mit Freunden zusammenzusitzen, zu lachen, sind entscheidende Faktoren um Loszulassen, uns zu entspannen und fließend auszuatmen. Atmen wir gehindert aus, atmen wir nicht richtig ein. Halten die Atmung punktuell an, nehmen zu viel Luft in den Brustkorb, lassen die Atmung unrhythmisch werden. Unsere Atmung ist also in der Zeitspanne der Pandemie 2020/2021 stark Richtung Hochatmung beeinflusst. 

 

Schnell mal alles zuviel

Halten wir nun zu viel an Spannung, wird schnell alles anstrengend. Öffentliche Orte wie ein Café, Konzerte, Freizeitaktivitäten, die uns einmal sinnstiftend vorkamen, können nun als herausfordernd erlebt werden. Und das ist eine ganz natürliche Reaktion. Denn sich alt - neuen Impulsen wieder zu öffnen, loszulassen und damit Kiefer und Bauch zu entspannen, die die tiefe, passive Einatmung wiederbelebt, bedeutet momentan auch Arbeit. Da wir sowieso durch die Krise mit einer Menge Veränderungen richtig viel zu tun haben, stellt die tiefe Atmung auch wirklich eine momentane Herausforderung dar. Sich diesen Zusammenhängen und Umstand bewußt zu werden, sind die ersten Schritte auf dem Weg diese feine, natürliche Wippe zwischen Ein- und Ausatmung wieder finden zu wollen, flexibel und angepasst an die eigenen Bedürfnissen in der jetzigen Situation. 

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